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Wie lässt sich die Resilienz in Teams trotz narzisstischer Führung stärken und wo sind die Grenzen der Massnahmen?

Aktualisiert: 22. Juli 2025


Wie in dem Blogpost letzte Woche wurden die Auswirkungen von narzisstischen Führungskräften auf die Resilienz von Teams betrachtet. Die Forschung hat eindeutig gezeigt, dass narzisstische Führung systematisch die Teamresilienz durch Vertrauenserosion, Kommunikationspathologien und Demoralisierung zerstört.

Bei den Interventionen von narzisstischen Führungskräften ist es wichtig zu erkennen, dass nicht alle narzisstische Führungskräfte verändert werden können. Es gibt narzisstische Führungskräfte, die nicht in der Lage sind den Druck der Gruppe zu tolerieren und sich anzupassen. Sie sehen kritisches Feedback von Peers oder Mitarbeitenden als persönlichen Angriff [1]. Die Forschung und Stanford formuliert es noch expliziter und sagt, dass Menschen sich nicht ändern [2]. Diese Erkenntnis, ist wichtig, damit die Erwartungen an Massnahmen zur Schadensminderung der narzisstischen Führung realistisch gesetzt werden kann. Wichtig bei den Massnahmen zur Schadensbegrenzung ist daher die Konzentration auf den Schutz der Teammitglieder und allenfalls anderen betroffenen Personen.

Da narzisstische Führungskräfte mit sehr viel Selbstvertrauen auftreten und sich als unersetzbar positionieren, haben Manager auf höheren Ebenen Sorge, die narzisstische Führungskraft zu verlieren. Teilweise würden sie so weit gehen, dass sie eher ganze Teams austauschen, anstatt die narzisstische Führungskraft. Das führt zu der Problematik, dass teilweise wirklich Teammitglieder das Team verlassen, weil sie das Verhalten der narzisstischen Führungskraft leid sind und gehen. Das wiederum stärkt die Position der narzisstischen Führungskraft und der Teufelskreis beginnt [1].

Folgend werden nun Massnahmen betrachtet, welche betroffenen helfen können, mit den Narzissten umzugehen und ihre Resilienz ein Stück weit zu stärken.


Strategien für Individuen: Selbstschutz und Resilienzaufbau

Von der wissenschaftlichen Forschung ist eine Reihe von evidenzbasierter Strategien entwickelt worden, welche Individuen unterstützen sich vor den destruktiven Auswirkungen narzisstischer Führung zu schützen und die persönliche Resilienz zu stärken.


Verstehen und Erkennen narzisstischer Muster

Der erste und wichtigste Schritt im Umgang mit narzisstischer Führung ist das Verstehen der Verhaltensmuster. Das Bewusstsein für die Verhaltensmuster wie Manipulation, Beleidigung und Unfähigkeit Feedback anzunehmen zu stärken [3]. Diese Stärkung des Bewusstseins ist nicht nur intellektuell wichtig, sondern auch emotional befreiend, da Betroffene verstehen, dass diese toxischen Verhaltensweisen der Führungskraft nicht ihre Schuld sind. Das ist der erste Schritt, damit emotionale Reaktionen zu steuern und effektive Bewältigungsstrategien entwickeln.


Grenzen setzen und aufrechterhalten

Eine wichtige Strategie im Umgang mit narzisstischen Führungskräften ist das Setzen und Aufrechterhalten von klaren Grenzen. Die Forschung zeigt, dass narzisstische Führungskräfte systematisch versuchen die Grenzen ihrer Mitarbeitenden zu überschreiten und sie für ihre eigenen Zwecke zu instrumentalisieren [3].

Diese Grenzziehung beinhaltet die folgenden Komponenten:

  • Klare Rollendefinitionen und Verantwortlichkeiten: Ursprüngliche Stellenbeschreibung prüfen und sich auf die vereinbarten Aufgaben berufen. Narzisstische Führungskräfte versuchen unangemessene und unrealistische Erwartungen zu stellen. Diese schriftliche Dokumentation ist die Grundlage die Diskussion zu versachlichen.

  • Assertive Kommunikation: Es ist wichtig freundlich aber bestimmt zu bleiben, um die Grenzen durchzusetzen. Dabei sind vor allem die Themen Arbeitsbelastung, Verantwortlichkeiten und den persönlichen Raum zu definieren im Fokus. Diese Art der Kommunikation ist wichtig, da narzisstische Führungskräfte oft versuchen durch Einschüchterung oder Manipulation Grenzen zu überschreiten.

  • Schutz der Work-Life-Balance: Narzisstische Führungskräfte neigen dazu die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zu verwischen und unrealistische Verfügbarkeitserwartungen zu stellen. Aus diesem Grund ist es wichtig klare Zeiten für die Erreichbarkeit zu definieren und konsequent einzuhalten [3].


Strategische Kommunikation und Konfliktvermeidung

Die Art und Weise, wie Mitarbeitende mit einer narzisstischen Führungskraft kommunizieren, kann einen Einfluss auf das eigene Wohlbefinden und die Arbeitseffektivität haben. Dabei können die folgenden Prinzipien in der strategischen Kommunikation angewendet werden:

  • Fokus auf arbeitsbezogene Themen: Sarkis empfiehlt in ihrem Artikel bei Konfrontationen mit narzisstischen Führungskräften den Fokus auf Themen zu lenken, die direkt die eigene Arbeit betreffen. Das hilft dabei persönliche Angriffe zu vermeiden und die Diskussion sachlich zu halten [3].

  • Vermeidung von «Baiting»: Narzisstische Führungskräfte neigen dazu, ihre Mitarbeitenden in Konflikte zu verwickeln («Baiting»), um sie als irrational, sensibel oder instabil zu bezeichnen. Die Erkennung dieser Falle ist für den Selbstschutz wichtig [3].

  • Recht auf Rückzug: Jede Person hat das Recht darauf, sich aus Situationen zurückzuziehen, in denen sie misshandelt werden. Diese Erkenntnis ist besonders wichtig, da viele Menschen in hierarchischen Strukturen glauben, sie müssten jede Behandlung durch ihre Vorgesetzten akzeptieren.


Dokumentation

Eine wichtige Strategie im Umgang mit narzisstischer Führung ist die systematische Dokumentation von allen Interaktionen. Diese soll auf persönlichen Geräten geführt werden, da Arbeitsgeräte oft überwacht werden. Diese Dokumentation dient der emotionalen Validierung und hilft dabei, die Perspektive zu bewahren. Denn narzisstische Führungskräfte sind geschickt darin, die Realität zu verzerren und ihre Opfer an ihrer eigenen Wahrnehmung zweifeln zu lassen. Diese schriftlichen Aufzeichnungen können als Anker für die Realität dienen und helfen, diese psychologischen Manipulationen zu durchschauen [3].


Aufbau von Unterstützungsnetzwerken

Arbeit mit einer narzisstischen Führungskraft kann traumatisch sein. Daher ist der Aufbau eines Unterstützungsnetzwerks entscheidend. Diese Netzwerke sollen mehrere Komponenten umfassen:

  • Professionelle Unterstützung: Die Inanspruchnahme von externer Hilfe ist oft unerlässlich. Fachkräfte können dabei unterstützen Erfahrungen zu validieren und Bewältigungsstrategien zu entwickeln [3].

  • Externe Mentoren: Die Forschung empfiehlt externe Mentoren ausserhalb des eigenen Arbeitsplatzes zu suchen. Diese sind nicht von der toxischen Dynamik des Arbeitsplatzes betroffen und können daher eine ehrliche Einschätzung und Empfehlungen geben [3].

  • Vorsicht bei Kollegen: Die Unterstützung von Kollegen kann wertvoll sein, die Forschung warnt jedoch davor, dass manche Kollegen als Flying Monkeys agieren oder als Boten für die narzisstische Führungskraft agieren können. Aus diesem Grund ist es wichtig mit sensiblen Informationen vorsichtig zu sein [3].


Strategien für Teams und Organisationen

Die effektivsten Massnahmen sind auf narzisstische Führung auf Team- und Organisationsebene.


Schaffung starker Teamkohäsion

Ein starker Teamzusammenhalt ist die wirksamste Strategie gegen narzisstische Führung. Ein Gruppensetting macht dysfunktionales Verhalten bemerkbarer, kontrollierbarer, diskutierbarer und damit weniger akzeptabel [1]. Diese Dynamik basiert auf mehreren Mechanismen:

  • Peer-Pressure als Regulierungsmechanismus: In kohäsiven Teams übernehmen die Kollegen die Rolle von Durchsetzern, die narzisstischen Führungskräfte dazu ermutigen, zuhören und Empathie zu zeigen. Diese horizontale Regulierung ist oft effektiver als vertikale Interventionen, da sie weniger bedrohlich für das narzisstische Ego sind.

  • Kollektive Normen: Starke Teams haben eigene Normen und Verhaltensstandards, die als Gegengewicht zu den toxischen Verhaltensweisen narzisstischer Führungskräfte fungieren können. Diese Normen schaffen einen alternativen Referenzrahmen für ein angemessenes Verhalten.

  • Gegenseitige Unterstützung: In kohäsiven Teams unterstützen sich die Mitarbeitenden gegenseitig und können daher gemeinsam die destruktiven Auswirkungen von narzisstischer Führung widerstehen. Diese kollektive Resilienz ist stärker, als individuelle Bewältigungsversuche.


Förderung von Peer-Feedback-Systemen

Peer-Feedback-Systeme sind besonders wirksam bei der Regulierung narzisstischen Verhaltens. Für Narzissten ist es erstens weniger bedrohlich Feedback von mehreren Personen zu erhalten und zweitens können sie Feedback von mehreren Personen weniger ignorieren, als von einzelnen Quellen.

Effektive Peer-Feedback-Systeme erfordern mehrere Komponenten:

  • Strukturierte Feedback-Prozesse: Regelmässige, strukturierte Gelegenheiten für Peer-Feedback helfen dabei, eine Kultur der offenen Kommunikation zu schaffen und narzisstischen Führungskräften kontinuierlich Rückmeldung über ihr Verhalten zu geben.

  • Psychologische Sicherheit: Mitarbeitende müssen sich sicher fühlen ehrliches Feedback zu geben, ohne Vergeltung befürchten zu müssen. Dies erfordert oft eine externe Moderation oder Schutzmassnahmen.

  • Fokus auf das Verhalten: Effektives Feedback konzentriert sich auf spezifische Verhaltensweisen und deren Auswirkungen, anstatt Persönlichkeitsmerkmale anzugreifen.


Indirekte Führungsansätze

Ein wichtiger Aspekt ist es das Team, welches unter einer narzisstischen Führungskraft arbeitet zu stärken. Dies kann mit den folgenden Strategien erfolgen:

  • Empowerment des Teams: Interventionen sollten vor allem darauf abzielen, das Team zu stärken und Werkzeuge zu geben, damit sie sich selbst regulieren können.

  • Empathie mit dem Narzissten: Paradoxerweise ist Empathie mit dem Narzissten aufzubauen, während das Team gestärkt wird. Das macht Veränderungen wahrscheinlicher. Aber Vorsicht: Es kann auch vorkommen, dass die narzisstische Führungskraft Kooperation vortäuscht und die Schikanen des Teams besser versteckt. Aus diesem Grund hat die Stärkung des Teams die höhere Priorität, damit die Resilienz gestärkt wird.


Organisationale Präventionsstrategien

Die wirksamste Strategie im Umgang mit narzisstischen Führungskräften ist Prävention. Sie verhindert, dass narzisstische Personen überhaupt in Führungspositionen gelangen.


Verbesserung der Auswahlprozesse

Gerade wenn Vorstände CEOs wählen, tun sie das durch Interviews. Gerade Interviews spielen den Stärken des Narzissten in die Hände. Die Forschung von Stanford gibt wichtige Einblicke in Präventionsstrategien [3]:

  • Umfassende Hintergrundchecks: Menschen, welche mit der Person in der Vergangenheit gearbeitet haben sind aufschlussreiche Informationsquellen. Diese 360-Grad-Bewertungen vermitteln ein realistisches Bild von dem Verhaltend einer Person.

  • Verhaltensbasierte Interviews: Anstatt sich auf Selbstdarstellung zu verlassen, sollten die Auswahlprozesse strukturierte, verhaltensbasierte Interviews verwenden, die konkrete Beispiele für vergangenes Verhalten erfragen.

  • Mehrere Bewertungsrunden: Mehrere Bewertungsrunden mit mehreren unterschiedlichen Personen, welche die Bewertung vornehmen. Das kann helfen, das manipulative Fähigkeiten narzisstischer Kandidaten durchschaut werden können. Wichtig dabei ist, dass die interviewende Personen Notizen während des Interviews machen, damit sie die Aussagen vergleichen können.


Kulturelle Interventionen

Unternehmen sollten proaktiv eine Kultur schaffen, in der kollaborative und empathische Führung gefördert wird. Das entmutigt narzisstisches Verhalten. Die kann durch die folgenden Punkte erreicht werden [3]:

  • Klare Werte und Verhaltensstandards: Unternehmen sollten explizite Werte und Verhaltensstandards definieren, die Empathie, Integrität und Zusammenarbeit betonen. Das gibt den Handlungsspielraum, die narzisstische Führungskraft an diese zu erinnern.

  • Belohnungssysteme: Beförderungen sollten nicht nur Ergebnisse berücksichtigen, sondern auch die Art und Weise, wie die Ergebnisse erzielt werden. Wenn die Ergebnisse auf Kosten des Teams erzielt worden sind, dann sind sie nicht nachhaltig, denn ab einem gewissen Punkt wird die Performance des Teams kippen und sinken, denn der Stress und Druck wird zu gross für das Team.

  • Regelmässige Kulturassessments: Organisationen sollten regelmässig ihre Kultur bewerten, damit sie Frühwarnsignale für toxische Dynamiken erkennen. Das ist wichtig, dass der Schaden eingegrenzt werden kann.


Fazit

Die Resilienz in Teams kann trotz einer narzisstischen Führungskraft gestärkt werden. Wichtig dabei ist ein realistischer Blick auf die Situation, denn nicht jede Führungskraft lässt sich verändern und trotzdem können betroffene Teams lernen sich zu schützen, Grenzen zu setzen und gemeinsam Resilienz aufzubauen. Der Fokus sollte auf Schadensbegrenzung, Selbstschutz und Teamkohäsion liegen. Gleichzeitig sollte an den Strukturen des Unternehmens gearbeitet werden, damit narzisstische Führung langfristig vermieden werden kann. Resiliente Teams brauchen ein sicheres Umfeld und das zu schaffen liegt in der Verantwortung von allen beteiligten.

 

Quellen

[1]       M. F.R. Kets de Vries, «How to Manage a Narcissist», Harvard Business Review. Zugegriffen: 5. Juli 2025. [Online]. Verfügbar unter: https://hbr.org/2017/05/how-to-manage-a-narcissist

[2]       L. Simmons, «How narcissistic leaders destroy from within», Insights—Stanford Business, 2020.

[3]       S. Sarkis, «7 Strategies for Coping With a Narcissistic Boss», Psychol Today, Zugegriffen: 5. Juli 2025. [Online]. Verfügbar unter: https://www.psychologytoday.com/us/blog/here-there-and-everywhere/202402/7-strategies-for-coping-with-a-narcissistic-boss

 

 
 
 

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